Lizenzen in der Microsoft Welt – Heute: System Center 2012

Heute am ersten Tag des Hyper-V Power Kurses kam wieder recht schnell am Anfang das ungeliebte Thema der Microsoft Lizenzwelt auf.
Maik Koster brachte die Frage der Lizenzierung der System Center Suite bzw. System Center 2012 ein die mich momentan auch sehr beschäftigt.

Microsoft hat das ehemals in einzelne Module zerlegte SC 2010 und auch einzeln lizenzierbare SC nun in eine komplette Suite gebündelt und die besteht heute aus 7 Teilen. Diese gibt es nun nur noch in der Standard und der Datacenter Edition.

Wer das Ganze System nicht kennt wird hier schlauer.
Grundsätzliches zusammen gefasst von Jan Kappen wiederum hier.

Da ich mich seit ein paar Wochen zum ersten mal selbst intensiv mit dem Thema Lizenzierung im Microsoft Umfeld beschäftige, was mir bisher quasi immer erspart blieb 😉 , weis ich das man durchaus hier und da mit Stolperfallen rechnen muss. Da dies in komplexeren Umgebungen durchaus nennenswerte monetäre Unterschiede hervorruft, möchte man auch entsprechend umsichtig und gewissenhaft sein.

Als ich letztes Jahr auf einer offiziellen Microsoft Lizenzschulung war, wurde die teils komplexe Welt der Lizenzen immer wieder von den Anwesenden ins Kreuzfeuer genommen. Das ist ja normal und auch bei anderen der Softwarebranche gang und gäbe.

Die Gründe für die Verwirrungen aber sind mannigfaltig und im Laufe der Jahre habe ich in vielen Foren und News Groups mit den teils absurdesten Erklärungen und Vermutungen immer wieder mal Grund zum lachen gehabt. Da ich wie schon gesagt nun selbst im Dschungel unterwegs bin, merke ich das ich eine größere Machete benötige und lachen allein nur begrenzt hilfreich ist. 😉 Mir fehlt schlicht das Wissen alle möglichen Modelle und Möglichkeiten zu überblicken und die Erfahrung damit umzugehen.

Was ist denn nun mit dem System Center 2012?

Das deutsche und englisch sprachige Lizenzportal zum System Center spricht von OSEs. Per Definition sind dies “Operating System Environments (OSEs)”.

Der englische Text dazu lautet:

“The Standard and Datacenter editions of the System Center 2012 server management licenses differ only based on the number of Operating System Environments (OSEs) that may be managed. System Center 2012 Standard licenses allow customers to manage two OSEs on premises or two OSEs in a public cloud environment. System Center 2012 Datacenter licenses include an unlimited number of OSEs in an on premises environment or eight OSEs in a public cloud environment.”

Die deutsche Seite schreibt:

System Center 2012 SMLs werden in zwei Editionen verfügbar sein, die sich nur in den Virtualisierungsrechten unterscheiden:

  • Datacenter-Edition: Verwaltung einer unbegrenzten Anzahl von OSEs für die Private Cloud mit hohem Virtualisierungsgrad
  • Standard-Edition: Für einen Einsatz in nicht oder wenig virtualisierten Umgebungen

Dummerweise sind “wir” es aber bisher gewohnt gewesen das das Thema OSE etwas genauer formuliert und differenziert wird. Ich glaube daher kommen auch einige Missverständnisse. So habe auch ich vor ein paar Wochen noch etwas essentielles übersehen. Aber dazu gleich mehr.

Beim Server 2008 R2 gibt es einen feinen Unterschied zu lesen:

Betriebssystem Erlaubte Instanzen in physischen und virtuellen OSEs auf einem einzelnen Server
[…]
Windows Server 2008 R2 Enterprise 1* + 4
Windows Server 2008 R2 Datacenter 1 + Unbeschränkt
[…]

Und was steht da? Richtig… Es gibt physikalische und virtuelle OSEs. Bei der SC 2012 steht das erstmal so nicht direkt da. Aber der Tab mit den SMLs (System Management License) verdeutlicht dann wohin die Reise geht.

Leider bin ich anfangs darüber gestolpert und habe mich auf Aussagen an Lizenzhotlines gehalten die so nicht richtig waren. Grundsätzlich überlesen scheinbar viele Leute den CML Teil und glauben das man quasi einen oder mehrere Management Server aufbaut, diesen mit virtuellen SC Komponenten ausrüstet die lizenziert sind und dann seine (unlimitierten) weiteren Hyper-V Hosts bzw. darin enthaltenen OSEs verwaltet die ausserhalb des oder der Management Server laufen. Das ist aber so nicht der Fall. Der Grund dürfte darin liegen das oftmals etwas zu lasch in der Art kommuniziert wird wie “wie viele Server sie mit der Datacenter verwalten ist dann egal… lizenziert wird auf dem Management Server nach CPUs…”
In meiner anfänglichen Naivität habe ich solche Aussagen wörtlich genommen.

Falsch ist beispielsweise also:

Aufbau eines Servers mit 2 CPUs, zuweisen einer Datacenter Lizenz und einrichten der SC Komponenten auf diesem um dann weitere beliebige Hyper-V Hosts bzw. andere OSEs zu verwalten.

Richtig hingegen:

Ich habe 3 physikalische Server mit jeweils 2 CPUs und auf einem werden nur 3 virtuelle Gäste laufen auf zweien aber gleich jeweils 10 oder gar mehr.

Der einzelne Hyper-V Host bekommt also 1 x Server 2008 R2 Enterprise + 1 x SC2012 Std zugewiesen. Die 2008er Server Lizenz deckt beide CPUs, die Installation der Parent Partition/Hypervisor/Hyper-V Host und die 3 virtuellen Gäste ab. Die SC 2012 Std. wiederum das Management über den gesamten Server inklusive Gästen. Standard wird für max. 2 CPUs und max. 2 OSEs, also virtuellen Gästen des Server, lizenziert. Erweitert man um eine CPU oder einen weiteren Gast wird die nächste Standard Lizenz fällig. Im englischen liest man dann meistens “which ever comes first” was in deutsch mit “ausschlaggebend ist die höhere Zahl” etwas holprig wirkt aber selbige Kernaussage hat.

Die beiden anderen Server bekommen jeweils 2 x Server 2008 R2 Datacenter zugewiesen (also 4 Lizenzen insgesamt da der Einstiegsschmerz bei min. 2 CPU Lizenzen liegt die man erwerben muss) und ebenso jeweils 1 x SC2012 Datacenter, was insgesamt 2 fälligen Lizenzen entspricht. Damit sind die jeweils die beiden CPUs der Server abgedeckt und die nach oben unlimitierten Gäste der Hyper-V Hosts. Das ist meines Erachtens nach quasi der “no brainer deal”. Zähl die CPUs und du hast deine Lizenzen. 😉

Soweit so gut.

Die SMLs decken aber nur Serverbetriebssysteme ab. Die Clients haben separate CALs die folgerichtig CML (Client Management License) heißen. Diese sind wiederum nur für Desktopsysteme wie Windows 7 gedacht. Will man also den Data Protection Manager oder Forefront AntiVirus auch für Windows 7 einsetzen benötigt man entsprechend CMLs oder gleich eine der Cal Suiten in denen einige oder alle CML CALs schon dabei sind.

Es gibt hierbei die Core CAL und die Enterprise CAL Suite. Für Datacenter hat es bisher offenbar noch nicht gereicht. 😉 Die CALs gibt es hier zu bestaunen.

P.S. Das ist mein Kenntnisstand heute und falls sich dieser als falsch erweist korrigiere ich zeitnah. Ich bin KEIN Lizenzexperte. 😉